Der Beitrag zeigt, wie ein digitaler Zwilling als Integrationsplattform für Bestandsdaten die Lücke zwischen moderner Automatisierung und oft veralteten Gebäudedaten (z. B. CAD-Pläne) schließt. Statt großer Sanierungsprojekte kann ein digitaler Zwilling iterativ entstehen: erst Ist-Zustand erfassen, dann schrittweise mit Echtzeitdaten anreichern und alles in einer zentralen Umgebung zusammenführen.
Als Praxisbeispiel dient das Autodesk Technology Center in Birmingham (Gebäude aus den 1980ern): Per Laserscan wurde eine Punktwolke erstellt, daraus ein 3D-Modell und anschließend eine BIM-basierte digitale Abbildung. In Autodesk Tandem werden Gebäudetechnik-, Sensor- und Anlagendaten in Echtzeit verknüpft und visualisiert – der Zwilling wird so zum dynamischen Modell für Analyse, Steuerung und Optimierung.
Durch die zentrale Datenbasis entstehen kontinuierliche Datenflüsse (u. a. Temperatur, Energieverbrauch, Belegung, Maschinenzustände), wodurch Zusammenhänge sichtbar werden und Wartung, Betrieb und Ressourcen gezielt optimiert werden können – ohne den Betrieb zu unterbrechen. Ein Schwerpunkt ist Energieeffizienz: Beleuchtung, Lüftung und Heizung lassen sich bedarfsgerecht steuern, Lastspitzen reduzieren und Kosten senken; langfristig kann das System mit Nachhaltigkeits- und CO₂-Zielen verknüpft werden. Zudem ermöglicht der digitale Zwilling Simulationen, um Änderungen virtuell zu testen und Entscheidungen datenbasiert abzusichern.
Fazit: In Birmingham wird gezeigt, dass sich Bestandsgebäude wirtschaftlich und praxisnah Schritt für Schritt in ein vernetztes, intelligentes System überführen lassen – als Alternative zu teuren Neubauten und als Basis für bessere Automatisierung, Wartung und Energieoptimierung.
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Bild: Autodesk GmbH
Bild: Autodesk GmbH
Vom Objekt zum System
Was in Birmingham realisiert wurde, ist mehr als ein Pilotprojekt. Werden Daten konsequent integriert und Prozesse digital abgebildet, verschmelzen physische Infrastruktur, Maschinen und Automatisierungssysteme zu einem vernetzten Ganzen. Betriebsabläufe, Wartung und Energieverbrauch lassen sich zentral steuern, Optimierungen können virtuell getestet werden und Anpassungen erfolgen auf Basis von Echtzeitinformationen. Damit entsteht ein neues Verständnis von Automatisierung. Nicht mehr nur Maschinen oder Prozesse werden intelligent gesteuert, sondern auch ihre Umgebung. Energie, Wartung und Betrieb werden Teil derselben Datenlogik. Das Gebäude selbst wird zum Akteur, der Informationen bereitstellt, Entscheidungen unterstützt und auf Veränderungen reagiert.
Gerade für Unternehmen mit bestehenden Produktionsanlagen birgt dies neue Möglichkeiten. Anstatt in teure Neubauten zu investieren, können Bestandsgebäude Schritt für Schritt digitalisiert und in die Automatisierungsstrategie integriert werden. Der Ansatz in Birmingham beweist, dass Datenintegration, Simulation und Optimierung auch unter realen Bedingungen praktikabel und wirtschaftlich sinnvoll umgesetzt werden können.
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