Herr Müller, warum hat sich Phoenix Contact überhaupt entschlossen einen eigenen Profinet-Chip zu entwickeln? Alles begann im Jahre 2003, als wir grundsätzlich entschieden haben, Profinet zu unserem Systembus zu machen. Von Beginn an stand dabei fest, dass wir uns auch in Bezug auf die Technologie stark engagieren wollen. Im Zuge der Umstellung unserer eigenen Geräte auf Profinet wurde schnell klar, dass insbesondere für die kompakten Geräte in der unteren Leistungsklasse die Anschaltkosten nicht in der Größenordnung bisheriger Feldbusse liegen. Unser Ziel lag also darin eine IRT-Lösung zu entwickeln, die preislich diese Anforderung erfüllt. Mit den Arbeiten am Chip haben wir dann im Jahr 2007 begonnen. Und was zeichnet den Tiger-Chip aus? Der Tiger-Chip, der übrigens offiziell die Bezeichnung TPS-1 trägt, ist unterhalb der verfügbaren Ertec-Chips angesiedelt. Ganz wichtig: Es handelt sich beim Tiger um eine Single-Chip-Lösung, d.h es sind keine weiteren Komponenten erforderlich, wenn man keine zusätzlichen Funktionalitäten benötigt. Für ein einfaches E/A-Modul braucht man also nicht mehr als den Chip, ein sehr kleines serielles Flash für die Konfiguration, die zwei Übertrager und zwei Buchsen, das war´s. Wie viele E/As können sie damit einfangen? Über den Chip sind es 48 Pins, die verwendet werden können. Zudem gibt es einfach zu nutzende serielle und parallele Schnittstellen, um Mikrocontroller anzuschließen. Der Tiger-Chip ist also für den Bereich einfacher I/Os und für den Einbau in kompakte Feldgeräte und Antriebe konzipiert. Ist der Chip beispielsweise mit dem ProfiSafe-Protokoll kompatibel? Ja, absolut. ProfiSafe wird auf höher liegenden Schichten zur Verfügung gestellt, und natürlich kann der Tiger-Chip alle Anwendungen mit sämtlichen Profinet-Diensten versorgen. Der TPS 1 ist voll kompatibel zum Standard sowie zu den Ertec-Chips. Das gilt übrigens auch für das ProfiEnergy-Profil. Das wird der Tiger genauso unterstützen. Welche Vorteile bietet der Chip gegenüber den Ertec-Chips? Der Aufwand, den man treiben muss, um eine Profinet-Schnittstelle zu realisieren, wird mit dem Tiger-Chip deutlich reduziert. Wenn man das aktuell mit einem Ertec-Chip macht, werden neben dem Chip externer Speicher und für den Software-Stack eine Betriebssystemlizenz sowie entsprechende Entwicklungswerkzeuge benötigt. Das macht die heutige Implementierung auf Ertec-Basis sehr flexibel, dafür aber gerade bei einfachen Feldgeräten, die diese Flexibilität gar nicht benötigen, entsprechend aufwändig. Daher positioniert sich der Tiger-Chip gerade in diesem Segment der einfachen Profinet-Anbindung. Das muss eben so einfach wie bei Interbus oder Profibus möglich sein. Wie haben Sie sichergestellt, dass der Chip mit dem Ertec voll kompatibel bleibt? Die Entwicklung des Chips ist gemeinsam mit Siemens erfolgt, sodass unsere Entwickler sich immer sehr eng mit Siemens abgestimmt haben. Es geht ja gerade nicht darum, mit dem Ertec-Chip in Konkurrenz zu treten, sondern zur Verbreitung der Profinet-Technologie aufeinander abgestimmte abgestufte Leistungsklassen von Chips anbieten zu können. Ab wann wird der neue Tiger-Chip verfügbar sein? Wir erwarten Ende diesen Jahres die entsprechenden Engineering-Samples und werden auch eine relativ große \’Risc-Production\‘ haben, mit der wir einerseits die Tests durchführen, andererseits aber schon in Designs gehen können. Serienmäßig wird der Chip im 3. Quartal des kommenden Jahres lieferbar sein. Werden die neuen Profinet-Funktionen wie Dynamic Frame Packing unterstützt? Eindeutig ja. An einigen Stellen kann man die Entwicklung des Chips und die Entwicklung der neuen Profinet-Funktionen gar nicht lupenrein voneinander trennen, da vieles parallel entwickelt wurde. Ab welcher Stückzahl lohnt sich ein eigenes Design-In für Gerätehersteller? Für Gerätehersteller, die Profinet in Software realisieren wollen und ohnehin einen sehr leistungsfähigen Chip einsetzen, mag sich der Tiger nicht rechnen, solange IRT nicht unterstützt werden soll. Für einen Gerätehersteller, der ein sehr einfaches Gerät hat, oder mit zunehmender Verbreitung von IRT, lohnt sich in der Regel nur der TPS-1. Hinzu kommt, dass Entwicklungen auf Basis der Tiger-Halbleiter in der Regel schneller am Ziel sind, weil man sich lediglich auf die Peripheriebeschaltung konzentrieren muss. Mit dem Profinet-Protokoll hat man nichts mehr zu tun. Der Tiger ist eben ein echtes Single-Chip-Konzept, das auf Einfachheit ausgelegt ist. Wie kann man die Leistungsfähigkeit des Tiger-Chips einordnen? Auf der Profinet-Seite kann der Tiger zunächst all das, was ein Ertec auch kann, plus die neuen Profinet-Funktionen. Hier gibt es hinsichtlich der Leistungsfähigkeit keinerlei Einschränkung. Beim Ertec200, kann die integrierte CPU für die Applikation genutzt werden. Beim Tiger-Chip ist sie für den Profinet-Stack reserviert. Prinzipiell bin ich mit dem Ertec200 also in der Lage, ein intelligentes Gerät zu bauen, ohne einen weiteren Prozessor zu benötigen. Auch die Tiger-CPU hat zwar prinzipiell noch Leistungsreserven, die wir jedoch für zukünftige Erweiterungen durch Firmware verwenden wollen und die daher nicht für die Applikation verwendet werden kann. Wenn der Chip Rechenleistung für die Applikation bieten soll, ist es eher der Ertec-Chip. Für Geräte, die bereits eine CPU für die Applikation haben, ist hingegen der Tiger häufig die bessere Wahl. Wo liegen denn nun die Kosten für einen Tiger-Chip? Neben den reinen Chipkosten benötigt man weitere Dinge. Werden also die Anschaltkosten insgesamt betrachtet, dann kommt man mit dem Tiger auf etwa 13,- Euro. Darin ist alles enthalten, was an Hard- und Software erforderlich ist, also zwei RJ45-Buchsen mit Übertragern und das externe serielle Flash für die Konfiguration. Beim Ertec benötigt man zusätzlich noch Flash und ein relativ großes RAM. Zusätzlich haben wir bei den Berechnungen berücksichtigt, dass der Tiger-Chip in einem Gehäuse verbaut wird, das sehr einfach verarbeitet werden kann, denn das Ball-Grid des Ertec-Chips erfordert eine relativ aufwändige Platine. Betrachtet man also die Gesamtanschaltkosten, so ergibt sich etwa die Hälfte an Kosten einer Ertec200-basierten Implementierung. Ihr Fazit zum Tiger? Wir haben das Ziel gehabt einen Chip zu bauen, mit dem die Anschaltkosten und Design-In-Aufwände für Profinet auf Feldbusniveau kommen. Das haben wir erreicht, bei entsprechend höherer Performance gegenüber dem Feldbus. Wir können wesentlich mehr Daten übertragen als mit jedem Feldbussystem – und das erheblich schneller und parallel zu TCP/IP. Was will man mehr! (kbn)
Tiger-Chip TPS1: Profinet-Implementierung einfach und preiswert
-
Security
Cyber-Sicherheit wird zum integralen Bestandteil der Maschinenkonzepte
Ab 2027 wird Cyber-Sicherheit verpflichtend: Maschinenhersteller müssen umfassende Security-Maßnahmen wie Security-by-Design und Update-Strategien integrieren. Phoenix Contact unterstützt praxisnah.
-
Bis 250mm Zeichenhöhe
Die fehlerunanfällige, widerstandsfähige Konstruktion und die einfache Bedienung sind die großen Vorteile der industriellen Großanzeigen der Serie S302.
-
Sensor für robuste Absolutpositionierung
Präzision im Heavy-Duty-Modus: Weg-Codier-System mit IO-Link
Wo automatisierte Laufkatzen und Hafenkräne tonnenschwere Lasten bewegen, benötigt die Steuerung absolute Positionsgeber für Positions- und Geschwindigkeitsdaten. Raue Umgebungsbedingungen dürfen die Zuverlässigkeit der Sensorik nicht beeinträchtigen. In solchen…
-
Zertifizierung nach IEC62443-4-1/2
Sicherheitssteuerung
Im November erhielt die Sicherheitssteuerung Flexi Compact von Sick vom Tüv Süd die Zertifizierung nach IEC62443-4-1/2.
-
Elektroexporte im September: Bester Monat im Jahresverlauf
Die Exporte der deutschen Elektro- und Digitalindustrie sind im September um 9,6% gegenüber Vorjahr auf 22,2Mrd.€ gestiegen.
-
Komponenten für energieoptimierte Maschinenkonzepte
Effizient antreiben, intelligent bremsen
Der Auftritt von KEB Automation auf der SPS steht ganz im Zeichen der…
-
Stahlketten sichern Performance von Umreifungsanlagen
Gut verpackt
Wer seine Produkte in die ganze Welt verschickt, muss sicher sein können, dass…
-
Kabelmanagement-Lösung
Kabeldurchführungsplatte für extreme Außenbedingungen
Mit der KEL-DPU-OD bringt Icotek eine Kabeldurchführungsplatte auf den Markt, die speziell für…
-
Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe im September: +0,6% zum Vormonat
Der reale (preisbereinigte) Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe ist nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen…
-
Märkte für elektronische Komponenten und Baugruppen wachsen zweistellig
Die globalen Märkte für elektronische Komponenten und Baugruppen verzeichnen ein starkes Wachstum.
-
Werkzeugmaschinenbestellungen haben Talsohle erreicht
Im dritten Quartal sank der Auftragseingang in der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie um 5%.
-
Ginzinger und Limes Security
Whitepaper zeigt praxisnahen Weg zum Cyber Resilience Act
Ginzinger Electronic Systems und Limes Security haben ein gemeinsames Whitepaper zum Cyber Resilience…
-
Sicher und vollständig kalibrieren: detaillierte Checkliste von DataTec
Checkliste für sichere und vollständige Messgeräte-Kalibrierung
Messgeräte entsprechen ab Werk nur für begrenzte Zeit ihren Spezifikationen – meist ein…
-
Panduit stellt besonders kurzen, geschirmten Keystone-RJ45-Jack vor
Keystone-Buchse: kompakt und kurz
Panduit erweitert sein Portfolio um kompakte Cat-6/Cat-6A-Keystone-Module, die sich einfach in Standard-Keystone-Aufnahmen vieler…
-
OPC UA für die Feldebene
Aktueller Status und Ausblick
OPC UA FX (Field eXchange) ist ein zentraler Bestandteil der Weiterentwicklung von OPC…
-
Inverse modulare Kabeldurchführungen mit geteiltem Rahmen
Flexible Kabeldurchführung
Mit KDSI-SR-G erweitert Conta-Clip sein modulares Kabeldurchführungssystem um einen zweigeteilten Rahmen, der die…
-
Sichere Fernwartung – leicht gemacht
Keine Chance für Cyber-Brechstangen
Online-Kriminelle haben die OT für sich entdeckt – das zeigen u.a. rasant steigende…
-
Neue Not-Halt-Baureihe
Robuste Not-Halt-Schalter mit M12-Anschluss
Mit Quartex Connect bringt Schlegel eine neue Not-Halt-Baureihe für 22,3mm-Bohrungen auf den Markt…
-
Weidmüller Stripax – jetzt auf der Conrad Sourcing Platform
Schnell, einfach und präzise abisolieren
Weidmüller bringt die neue Generation der Stripax-Abisolierzange auf den Markt.
-
TKD Kabel erweitert Produktfinder zum Kundenportal
Schneller zum Kabel, das passt
TKD Kabel hat seinen Online-Produktfinder zu einem kundenorientierten Portal ausgebaut, das den Zugang…
-
VDMA-Studie
Mehr als die Hälfte der Maschinen- und Anlagenbauer setzt auf OPC UA
Laut aktueller Interoperabilitätsstudie des VDMA sehen 84% der Unternehmen einen konkreten Bedarf an…
-
Energieverbrauch der Industrie um 1,9% gestiegen
Die deutsche Industrie hat im Jahr 2024 insgesamt 3.343 Petajoule Energie verbraucht.
-
Time Sensitive Networking
TSN-Layer-3-Switch für präzise Echtzeitkommunikation
Mit dem TSN-6325-8T4S4X präsentiert Spectra einen Managed Industrial Ethernet Switch, der für zeitkritische…
-
Für Motion-Control-Anwendungen
BiSS-Master-Chip mit SPI und RS-422-Transceiver
Mit iC-MBE stellt iC-Haus einen SPI-zu-BiSS-Master-Konverter vor, der die Integration der offenen BiSS-…
-
Industrielle Bildverarbeitung
Neues Deep-Learning-Feature in Halcon 25.11
MVTec erweitert seine Machine-Vision-Software Halcon 25.11 um das neue Deep-Learning-Feature Continual Learning.
das könnte sie auch interessieren
-
Multivariable und energieeffiziente Steuerung
Multivariabel und energieeffizient
-
Sensoren, Ladekabel und Cybersicherheits-Zertifizierung
Zertifizierte, sichere Entwicklungsprozesse
-
OPC UA als Enabler für Data Spaces und KI
Semantische Standards
-
Multilevel-Technologie vermeidet LC-Filter und senkt Energiekosten
Drei Level für weniger Verluste

















