Der wesentliche Unterschied eines Software Defined Radio (SDR) im Vergleich zu herkömmlichen hardwarebasierten Funklösungen ist, dass Physical-Layer-Funktionen wie Filterung, (De-)Modulation und (De-)Kodierung durch konfigurierbare Software realisiert werden. Ein idealer SDR-Transceiver besteht aus einer Antenne, Signalverstärkern, Umsetzern für die Wandlung zwischen analogen und digitalen Signalen sowie den Bauelementen für die digitale Signalverarbeitung (Bild 1). Mit SDR lassen sich Funklösungen realisieren, die in verschiedenen Frequenzbändern arbeiten und durch Änderung der Software flexibel an neue oder geänderte Funkstandards oder Anforderungen einer Anwendung angepasst werden können. Zudem lassen sich moderne Antennentechnologien wie Multiple-Input, Multiple-Output (MIMO) oder Beamforming zur Erhöhung der Zuverlässigkeit der Funkübertragung optimal ausnutzen und kombinieren. Während bei MIMO die verschiedenen Ausbreitungswege zwischen Sender und Empfänger als redundante Übertragungskanäle genutzt werden, ermöglicht Beamforming die gezielte elektronische Anpassung der Sende- bzw. Empfangsrichtung der Antennen der Kommunikationspartner. Bisherige Einsatzfelder für Software Defined Radios Software Defined Radios sind heute in militärischen Kommunikationssystemen, in der Satellitenkommunikation und bei Mobilfunk-Basisstationen bereits Stand der Technik, werden aber auch in mobile kommerzielle Endgeräte verstärkt integriert. Allerdings behindern hier vor allem der hohe Platz- und Energiebedarf sowie die höheren Materialkosten gegenüber herkömmlichen Lösungen die ausschließliche Verwendung. Neben den teils ungeklärten Fragen zur internationalen Zertifizierung behindern diese Nachteile auch die kurzfristige Integration von SDR in Automatisierungsgeräte. In Zukunft werden hier deutliche Verbesserungen erwartet. Unterschiede gegenüber Cognitive Radio Ein Cognitive Radio (CR) beobachtet seine Umgebung, nimmt Veränderungen wahr und reagiert darauf entsprechend vorgegebener Ziele. Dabei können neben den Informationen aus dem Funkspektrum eine ganze Reihe weiterer Faktoren berücksichtigt werden, z.B. Anforderungen der Applikation oder Verhaltensmuster des Nutzers. CR ist nicht zwingend an SDR gebunden. Dennoch bietet diese Technologie die hohe Flexibilität für dessen Realisierung. Präkognitive Verfahren wie das adaptive Frequenzhopping bei Bluetooth sind heute Stand der Technik. An Algorithmen, Methoden sowie Geräte- und Systemarchitekturen für Cognitive Radio wird derzeit intensiv geforscht. Potenziale für industrielle Automatisierungsanwendungen Wie lassen sich die Vorteile der Technologien SDR und CR sinnvoll in industriellen Anlagen nutzen? Zukünftig wird es von großer Bedeutung sein, das begrenzt zur Verfügung stehende Funkspektrum effizienter als bisher auszunutzen, um so die Zahl parallel betreibbarer Funknetze und die Dichte der Funkgeräte deutlich erhöhen zu können (Bild 2). Mit den Technologien SDR und CR kann das heute durchgeführte manuelle datenbankgestützte Frequenzmanagement zu einem automatisierten Koexistenzmanagement weiterentwickelt werden, das zusätzlich zur Frequenz die Dimensionen Raum und Zeit für die Planung der Funkkommunikation nutzt. Zentraler oder dezentraler Ansatz für Koexistenz? Konzepte für das Koexistenzmanagement durch kognitive Funksysteme können sowohl einen zentralen als auch einen dezentralen Ansatz verfolgen. Während beim dezentralen Konzept davon ausgegangen wird, dass jedes Funkgerät eigenständig Entscheidungen zum Zugriff auf das Funkmedium trifft, sieht der zentrale Ansatz eine Managementeinheit vor, die diesen Zugriff für alle Funknetze und deren Geräte koordiniert. Beide Konzepte haben in Abhängigkeit von den Anforderungen der Anwendung ihre Daseinsberechtigung und auch Kombinationen sind denkbar. Zentraler Ansatz mit Cognitive Management Entity Bild 3 zeigt einen zentralen Ansatz, bei dem die Cognitive Management Entity (CME) aus der Sicht der Funknetze das Kernelement bildet. Die CME beinhaltet einen Cognitive Pilot Channel (CPC-) Manager, eine Cognitive Engine sowie eine Policy Engine. Die Policy Engine hat Zugriff auf eine Regulierungsdatenbank und übergibt die notwendigen Regulierungsvorschriften zusammen mit den Restriktionen des Anlagenbetreibers zur Frequenznutzung an die Cognitive Engine. Die Cognitive Engine ist mit dem industriellen Kommunikationssystem (Feldbus oder industrielles Ethernet) verbunden, um Konfigurationsdaten der Applikation und der Kommunikation zu sammeln. Dazu zählen insbesondere Applikations- und Kommunikationszyklen sowie Daten- und Paketlängen. Über dieses Kommunikationssystem werden Kenndaten und Fähigkeiten der einzelnen Basisstationen abgefragt. Das betrifft nicht ausschließlich Basisstationen, die über SDR/CR-Funktionalität verfügen. Auch bestehende Funksysteme müssen berücksichtigt werden. Der Austausch von Informations- und Konfigurationsdaten zwischen der CME und den SDR-fähigen Funkgeräten erfolgt über den CPC, der hierzu die Infrastruktur, Protokolle und Dienste bereitstellt. Der CPC-Manager kann über einen Outband-CPC, der in einem anderen Frequenzband als die Applikation arbeitet, bzw. einen Inband-CPC, der das gleiche Frequenzband wie die Nutzdatenübertragung verwendet, Informationen zur Belegung des Spektrums durch elektromagnetische Störer und andere Frequenznutzer von den SDR-Funkgeräten erfassen. Zusätzlich werden die Fähigkeiten der einzelnen Funkgeräte ermittelt und an die Cognitive Engine weitergeleitet. Diese verarbeitet die gesammelten Informationen und errechnet so die optimale Konfiguration für das gesamte heterogene Kommunikationssystem unter Berücksichtigung aller Funknetze im Umfeld der Anlage. Insbesondere können die Medienübergänge zwischen den verschiedenen drahtlosen und den drahtgebundenen Kommunikationssystemen in einer Anlage zeitlich optimiert werden, sodass ein deterministisches Zeitverhalten erreicht wird. Übertakten der Funkkommunikation vermeiden Ein an die zyklische drahtgebundene Kommunikation angepasstes Funksystem kann auch zu einer geringeren Auslastung des Spektrums beitragen, da das \’Übertakten\‘ der Funkkommunikation vermieden werden kann. Die einzelnen Basisstationen werden von der Cognitive Engine über den Feldbus oder das industrielle Ethernet konfiguriert. Die Konfiguration und Steuerung der Funkgeräte erfolgt über den CPC. Auch hier müssen die Möglichkeiten existierender Funksysteme berücksichtigt werden, deren Medienzugriff gesteuert werden kann. Mit diesem Konzept lässt sich das heute durchgeführte manuelle Koexistenzmanagement langfristig automatisieren. Im ersten Schritt kann dieser Ansatz aber auch dazu dienen, dieses Koexistenzmanagement zu unterstützen. Die ermittelten Informationen aus den Geräten sowie die Konfigurations- und Steuerdaten könnten in einer Datenbank gespeichert werden, so dass der Betreiber des Netzwerkes diese für seine Entscheidungen nutzen bzw. deren Auswirkungen validieren kann. Zusätzlich bieten sich für SDR und CR weitere Einsatzfelder an, beispielsweise zur Verbesserung der Zuverlässigkeit der Funkübertragung, zur Diagnose oder zum Test von Funksystemen. Nachteile von Software Defined Radio Hohe Bauteilkosten, der Platzbedarf und vor allem die hohe Energieaufnahme stehen einer breiten Nutzung von SDR in industriellen Funkgeräten heute noch im Wege. Diese Nachteile müssen erst durch einen funktionalen und wirtschaftlichen Gewinn für den Anwender aufgewogen werden. Am ehesten könnte das in naher Zukunft bei Speziallösungen für Safety-Anwendungen oder Funk-Diagnosesysteme gelingen. Auch bei der Entwicklung optimierter Funklösungen für die Automatisierungstechnik kann SDR zeitnah helfen. Nach diesen Speziallösungen könnte SDR, ähnlich wie im Mobilfunksektor, mittelfristig Einzug in die Basisstationen halten. Aber gerade die zunehmende Anzahl eingesetzter Funkkommunikationssysteme führt in Zukunft zu neuen Herausforderungen. Ein Koexistenzmanagement ist deshalb zwingend erforderlich, um den störungsarmen parallelen Betrieb der Funknetze zu gewährleisten. Adaptive oder kognitive Funksysteme können dabei helfen, das aufwendige manuelle Koexistenzmanagement zu unterstützen oder langfristig sogar überflüssig machen. Auf lange Sicht werden SDR und CR auch in industriellen Kommunikationssystemen eine breite Verwendung erfahren. Wann die Technik in Geräte wie Sensoren, Aktoren oder in Remote-I/O-Module integriert werden kann, hängt von der technologischen und preislichen Entwicklung der Hardwarekomponenten ab. Weiterführende Informationen bietet die Studie \’Software Defined Radio und Cognitive Radio in der industriellen Automation\‘, die bei der Deutschen Forschungsgesellschaft für Automation und Mikroelektronik (DFAM) bezogen werden kann.
Software zur Funkoptimierung: Funkbänder effizient nutzen
-
Mehr Speed mit IO-Link: 5 Praxistipps für Ingenieure
Wie Anwender das volle Potenzial smarter Sensoren ausschöpfen
IO-Link hat deutlich mehr zu bieten als die bekannten Vorzüge. Dieser Fachartikel zeigt mit Beispielen aus der Praxis, wie Anwender sämtliche Vorteile der digitalen Schnittstelle nutzen. Das funktioniert…
-
Kompakter Embedded-PC mit Core Ultra 9
Der PicoSys 4619 ist ein kompakter, aktiv gekühlter Embedded-PC für den Einbau in Schaltschränke oder Anlagen.
-
Erfolgreiches erstes Messehalbjahr der All About Automation
Die All About Automation Messereihe hat im ersten Halbjahr 2026 ihre starke Entwicklung bestätigt: Sechs Veranstaltungen zwischen Januar und Juni – so viele wie noch nie in diesem…
-
Root-Cause-Analyse thermischer Probleme
In einem gemeinsamen Projekt haben Iba und Ametek Land die Integration von Land-Wärmebildkameras in das Iba-System umgesetzt.
-
Flexible Planetengetriebe-Familie
Die Getriebebaureihe GPT von Faulhaber wurde für besonders hohe Drehmomente entwickelt.
-
Sichere industrielle Kommunikation
Robuste und sichere Routergeneration
Mit dem Moros.neo stellt Insys Icom eine neue Generation industrieller Router für Anwendungen…
-
Anzeige
Mehr Speed mit IO-Link: 5 Praxistipps für IngenieureWie Anwender das volle Potenzial smarter Sensoren ausschöpfen
IO-Link hat deutlich mehr zu bieten als die bekannten Vorzüge. Dieser Fachartikel zeigt…
-
Prüfung von elektrischen Überlastsicherungen und Rutschkupplungen
Kettenzugprüfset mit neuem Handanzeiger
Wika hat sein Kettenzugprüfset FRKPS zur Prüfung von Rutschkupplungen und elektrischen Überlastsicherungen überarbeitet.
-
Bestellen wie ein Pro:
Neues Loyalitätsprogramm bei Conrad
Einfach nur Distributor zu sein, das reicht Conrad Electronic nicht.
-
Digitaler Zwilling als Integrationsplattform für Bestandsdaten
Automatisierung und Energieeffizienz intelligent vernetzt
In vielen Bestandsanlagen besteht heute eine deutliche Kluft zwischen moderner Automatisierungstechnik und der…
-
Antrieb
Für hohe Lastspitzen und Anlaufmomente
Mit den neuen Peak Power Drives erweitert KEB Automation sein Antriebsportfolio um eine…
-
Was wurde eigentlich aus…
Was wurde eigentlich aus… dem Wireless-Handbediengerät von Sigmatek?
In der Titelstory des SPS-MAGAZINs 6/2016 ging es unter dem Titel ‚Völlig losgelöst’…
-
IPC
3HE-Rack-PC für Echtzeit- und KI-Anwendungen
Mit dem Spectra Rack 3000 R7 erweitert Spectra sein Portfolio industrieller 19″-Rack-PCs um…
-
Maßgeschneiderte 3D-Sensorik für die Inline-Inspektion
Präzision für die KI-Ära
Der weltweite KI-Boom bringt immer größere und schwerere Elektronikbauteile hervor, sodass Inspektionssysteme mittlerweile…
-
System zur Farbmessung von Flüssiglacken
Farbecht
Provitec und Micro-Epsilon haben gemeinsam das Messsystem Prodaisi Color Sensorsystem entwickelt. Dieses löst…
-
Cybersecurity für vernetzte Produkte
CRA-Compliance in der Praxis: So gelingt der Weg zur Cyberresilienz
Viele Unternehmen haben sich noch nicht ausreichend auf die Veränderungen eingestellt, die der…
-
Nachgefragt: Wie MVO und CRA Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle verändern (Teil 2)
Maschinenverordnung 2027: Jetzt wird es konkret
Die neue EU-Maschinenverordnung verändert nicht nur die Konformitätsbewertung, sondern wirkt tief in Entwicklung,…
-
CodeMeter-Ökosystem
Softwareschutz und Lizenzierung erweitert
Mit CodeMeter 9.00 und der CodeMeter Protection Suite 11.80 stellt Wibu-Systems neue Versionen…
-
Für vernetzte Fertigungslinien
Mehr Transparenz und Sicherheit in der Liniensteuerung
Mit Version 5.5 seiner Leitrechnerlösung FabEagle erweitert Kontron AIS die Funktionen für Rückverfolgbarkeit,…
-
Wirtschaftsleistung um 0,3% höher als im Vorquartal
Das Bruttoinlandsprodukt ist im 1. Quartal 2026 gegenüber dem 4. Quartal 2025 – preis-, saison- und…
-
Produktion im April: +0,4% zum Vormonat
Die reale (preisbereinigte) Produktion im Produzierenden Gewerbe ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen…
-
Stromerzeugung im 1. Quartal mehrheitlich aus erneuerbaren Quellen
Im 1. Quartal wurden in Deutschland 126,6 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert und in…
-
Führungswechsel bei UniversalAutomation.Org
Der Franzose Benoît Thooris (Bild) übernimmt als President der Non-Profit-Organisation UniversalAutomation.org von Raquel…
-
Eröffnung des neuen Hauptsitzes von Origo Solutions in Kristiansand
Hima feierte die Eröffnung des neuen Regionalzentrums für Skandinavien: den Hauptsitz von Origo…
-
Safety
Schutztür- und Schlüsselsystem schützen sensible Intralogistikanlagen
Um sein in die Jahre gekommenes Sicherheitssystem für Gassenzugänge zu ersetzen, war Movu…
















