Endress+Hauser forciert seit Jahren das Thema Energieeffizienz. Wie erfolgreich sind Sie mit diesem Thema am Markt? M. Ziesemer: Das Geschäft um die Energieeffizienz entwickelt sich schnell und es ist sehr breit angelegt. Da geht es einmal um das Thema \’Energiemonitoring\‘ und \’Energiemanagement\‘. Damit fängt eigentlich jede Optimierung an. Ich muss wissen, wann und wo wie viel Energie verbraucht wird. Das gilt natürlich für alle Energieträger: Dampf, Elektrizität, Wärme, Kälte, Druckluft usw. Dann kann ich Schwerpunkte erkennen und Prioritäten setzen. Das zweite große Thema ist die Instandhaltung und Optimierung der Anlagen und überhaupt der gesamten technischen Infrastruktur. Um es mal salopp zu sagen: Leckagen im Dampf- oder Druckluftnetz, Ansatzbildung in Rohrleitungen oder Filter mit erhöhtem Druckverlust verschlechtern die Effizienz. Eine energieeffiziente Anlage ist immer eine Anlage im optimalen Erhaltungszustand. Schließlich geht es um den Betrieb der Anlage, um die energieoptimalen Sollwerte und Arbeitspunkte. Lassen Sie mich ein Beispiel aus der Abwassertechnik wählen: In einer Kläranlage werden ca. 60% der Energie für die Belüftung im Belebungsbecken aufgewendet. Wird der Lufteintrag über die Messung der Nährstoffparameter optimiert, lassen sich – je nach Anlage – 15 bis 25% der aufgewendeten Energie einsparen. War das Thema von Anfang an ein Selbstläufer? M. Ziesemer: Das Thema war kein Selbstläufer und ist auch heute kein Selbstläufer. Unsere Kunden sehen das Problem und wollen auch etwas tun. Aber von dort bis zum konkreten Auftrag ist es noch ein weiter Weg. Es braucht viel Beratung und am Ende müssen Projekte realisiert werden. Dann sind häufig die intern oder extern verfügbaren Ingenieurkapazitäten eher der Engpass als die finanziellen Ressourcen. Endress+Hauser hat sich letztes Jahr an der Firma Systemplan mehrheitlich beteiligt, um zusätzlich das Thema Beratung anbieten zu können. Wo liegen die Vorteile, wenn man sowohl Produkte als auch die entsprechende Beratung im Programm hat? M. Hager: Eine Bündelung der Themen Messtechnik, Services und Engineering rund um das Energiemanagement ist der richtige und konsequente Weg. Die ganzheitliche Betrachtung von Prozessen unter Einbeziehung der vorhandenen Messtechnik und der bestehenden Automatisierung sind wichtige Basics für nachhaltige Lösungen. Die Analyse und Interpretation von Messwerten sind ein weiterer Mehrwert in der Kundenbeziehung. Endress+Hauser differenziert sich durch das zusätzliche Know-how von Systemplan weiter zum Wettbewerb. Ist Energieeffizienz nur für Neuanlagen attraktiv oder kann man auch bei Bestandsanlagen noch Geld einsparen? M. Hager: Effizienz wird zu einem kniffligen und zentralen Thema für viele Unternehmen. In der Energieeffizienz – oder besser gesagt – im intelligenten Einsatz von Energie schlummert erhebliches Einsparpotenzial in den Unternehmen. Gemittelt hat jedes Unternehmen ein Einsparpotenzial von 15% mit einem ROI kleiner drei Jahre. Energieeffizienz ist keine Frage einer einzigen Technologie, sondern das Ergebnis vieler intelligenter Lösungen. Das Alter einer Maschine bzw. Anlage steht nicht für eine gute oder schlechte Effizienz. Vielmehr ist es wichtig, dass das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten auch unter verschiedenen Produktions-Auslastungen effizient und verlässlich funktioniert. Derzeit kann es sich eigentlich keine Firma leisten, Geld zu verschwenden. Warum tut sich dennoch der eine oder andere mit dem Thema Energieeffizienz schwer? M. Hager: Für mich gibt es drei erkennbare Treiber zur Energieeffizienz: Der Vollstrompreis, die gesetzlichen Anforderungen und die Kultur im eigenen Unternehmen. Die Realität ist, dass volle Auftragsbücher, Änderung der Gewohnheiten, Ressourcenmangel usw. vorgeschoben werden, warum sich ca. 85% der deutschen Unternehmen bisher noch nicht mit der Energieeffizienz auseinandergesetzt haben. Nehmen wir ein positives Beispiel von Baden-Württemberg: Durch eine erhebliche Investition in Effizienzmaßnahmen der Unternehmen ist die Effizienz um 20% gestiegen, d.h. Baden-Württemberg produziert dieselbe Menge an Produkten mit 20% weniger Energie. Positives wird nicht zum Selbstläufer, obwohl es zahlreiche Förderprogramme und Unterstützungen gibt, wie z.B. die KfW Mittelstandsberatung Energieeffizienz, die Initialberatung bis zu 80% und die Detailberatung bis zu 60% fördert. Wie wichtig ist dem einzelnen Arbeiter in der Firma das Thema Energieeffizienz? Ist es auch für ihn ein Vorteil oder letztendlich nur zusätzliche Arbeit, die er erledigen muss? M. Hager: Energieeffizienz und die daraus entstehende Reduzierung von Energieverbrauch geht uns und unsere Nachkommen alle an. Dieses erfordert im ersten Schritt eine Sensibilisierung und nachfolgend gegebenenfalls eine Abkehr von Gewohnheiten. Jeder einzelne Mitarbeiter ist hierbei sehr wichtig, weil er wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg seiner Firma mit beiträgt. Er kennt seine Anwendung und Prozesse am besten und kann somit das Potenzial im ersten Schritt selbst sehr gut identifizieren. Dieses wurde auch schon von den Verantwortlichen in vielen Firmen erkannt und es werden Verbesserungsvorschläge finanziell belohnt. Ganz nebenbei erfolgt ein wichtiger Beitrag zur Arbeitsplatzabsicherung für und in dem jeweiligen Unternehmen. Führt der Weg zum Erfolg letztendlich nur über die Chefetagen der Firmen oder muss man sogar noch weiter oben ansetzen, das heißt bei Politkern und der Gesetzgebung? M. Ziesemer: Es muss auf allen Ebenen etwas getan werden. Wir brauchen klare Regeln über die Gesetzgebung und natürlich muss die Chefebene vorgeben, was bis wann getan werden soll. Es braucht Ziele. Es ist aber auch unbedingt notwendig, dass man in die Betriebe geht. Sensibilisierung der Mitarbeiter ist ein Kernthema. Wir sehen das bei der Einführung von Energiemonitoringsystemen. Allein dadurch, dass man sieht, wann, wo und wie viel verbraucht wird, ergeben sich Initiativen der Betriebsleiter und der Mitarbeiter. Oft reicht es völlig, einen Schalter zu betätigen. So werden meist die ersten fünf bis zehn% sehr spontan eingespart. Was sind Ihre konkreten Forderungen an die Gesetzgeber? M. Ziesemer: Wir sagen seit Langem, dass sich Energieeffizienz rechnet. Subventionen braucht es nicht. Aber es muss das Prinzip der \’Lebenszykluskosten\‘ als Entscheidungsgrundlage beim Einsatz investiver Mittel breit verankert werden. Das ist auch zum guten Teil geschehen. Es hapert aber an der Umsetzung. Im öffentlichen Vergabewesen wird z.B. immer noch häufig nach Gestehungspreis entschieden, nicht nach Lebenszykluskosten. Zertifizierte Energiemanagementsysteme muss es in allen Betrieben geben. Auch dieser Rahmen muss von der Politik gesetzt werden. Ist Energieeffizient derzeit \’nur\‘ ein nationales Thema? M. Ziesemer: Energieeffizienz ist heute schon weltweit ein Thema. Die Wirtschaft agiert global. Unsere großen Kunden wollen energieeffiziente Anlagen betreiben aus Umwelt- und aus Kostengründen und das natürlich an allen Standorten. Natürlich divergieren die Energiepreise. Damit divergieren auch die Lösungen. Die besondere Brisanz des Themas Energieeffizienz in Deutschland ergibt sich aus den ambitionierten Vorgaben der Politik zur Energiewende. Diese Ziele lassen sich ohne eine deutliche Steigerung der Energieeffizienz in der Industrie, im Gewerbe, im öffentlichen und im privaten Bereich nicht erreichen.
Alles Gute kommt von oben?
-
Stahlketten sichern Performance von Umreifungsanlagen
Gut verpackt
Wer seine Produkte in die ganze Welt verschickt, muss sicher sein können, dass sie ihr Ziel auch unbeschadet erreichen. An einer Transportsicherung führt deshalb kein Weg vorbei. Mögliche…
-
Security
Cyber-Sicherheit wird zum integralen Bestandteil der Maschinenkonzepte
Ab 2027 wird Cyber-Sicherheit verpflichtend: Maschinenhersteller müssen umfassende Security-Maßnahmen wie Security-by-Design und Update-Strategien integrieren. Phoenix Contact unterstützt praxisnah.
-
Bis 250mm Zeichenhöhe
Die fehlerunanfällige, widerstandsfähige Konstruktion und die einfache Bedienung sind die großen Vorteile der industriellen Großanzeigen der Serie S302.
-
Sensor für robuste Absolutpositionierung
Präzision im Heavy-Duty-Modus: Weg-Codier-System mit IO-Link
Wo automatisierte Laufkatzen und Hafenkräne tonnenschwere Lasten bewegen, benötigt die Steuerung absolute Positionsgeber für Positions- und Geschwindigkeitsdaten. Raue Umgebungsbedingungen dürfen die Zuverlässigkeit der Sensorik nicht beeinträchtigen. In solchen…
-
Zertifizierung nach IEC62443-4-1/2
Sicherheitssteuerung
Im November erhielt die Sicherheitssteuerung Flexi Compact von Sick vom Tüv Süd die Zertifizierung nach IEC62443-4-1/2.
-
Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe im September: +0,6% zum Vormonat
Der reale (preisbereinigte) Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe ist nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen…
-
Komponenten für energieoptimierte Maschinenkonzepte
Effizient antreiben, intelligent bremsen
Der Auftritt von KEB Automation auf der SPS steht ganz im Zeichen der…
-
Sicher und vollständig kalibrieren: detaillierte Checkliste von DataTec
Checkliste für sichere und vollständige Messgeräte-Kalibrierung
Messgeräte entsprechen ab Werk nur für begrenzte Zeit ihren Spezifikationen – meist ein…
-
Kabelmanagement-Lösung
Kabeldurchführungsplatte für extreme Außenbedingungen
Mit der KEL-DPU-OD bringt Icotek eine Kabeldurchführungsplatte auf den Markt, die speziell für…
-
Weidmüller Stripax – jetzt auf der Conrad Sourcing Platform
Schnell, einfach und präzise abisolieren
Weidmüller bringt die neue Generation der Stripax-Abisolierzange auf den Markt.
-
Märkte für elektronische Komponenten und Baugruppen wachsen zweistellig
Die globalen Märkte für elektronische Komponenten und Baugruppen verzeichnen ein starkes Wachstum.
-
Werkzeugmaschinenbestellungen haben Talsohle erreicht
Im dritten Quartal sank der Auftragseingang in der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie um 5%.
-
Ginzinger und Limes Security
Whitepaper zeigt praxisnahen Weg zum Cyber Resilience Act
Ginzinger Electronic Systems und Limes Security haben ein gemeinsames Whitepaper zum Cyber Resilience…
-
Industrielle Bildverarbeitung
Neues Deep-Learning-Feature in Halcon 25.11
MVTec erweitert seine Machine-Vision-Software Halcon 25.11 um das neue Deep-Learning-Feature Continual Learning.
-
Panduit stellt besonders kurzen, geschirmten Keystone-RJ45-Jack vor
Keystone-Buchse: kompakt und kurz
Panduit erweitert sein Portfolio um kompakte Cat-6/Cat-6A-Keystone-Module, die sich einfach in Standard-Keystone-Aufnahmen vieler…
-
OPC UA für die Feldebene
Aktueller Status und Ausblick
OPC UA FX (Field eXchange) ist ein zentraler Bestandteil der Weiterentwicklung von OPC…
-
Inverse modulare Kabeldurchführungen mit geteiltem Rahmen
Flexible Kabeldurchführung
Mit KDSI-SR-G erweitert Conta-Clip sein modulares Kabeldurchführungssystem um einen zweigeteilten Rahmen, der die…
-
Sichere Fernwartung – leicht gemacht
Keine Chance für Cyber-Brechstangen
Online-Kriminelle haben die OT für sich entdeckt – das zeigen u.a. rasant steigende…
-
Neue Not-Halt-Baureihe
Robuste Not-Halt-Schalter mit M12-Anschluss
Mit Quartex Connect bringt Schlegel eine neue Not-Halt-Baureihe für 22,3mm-Bohrungen auf den Markt…
-
Indien und Brasilien bleiben Wachstumsstützen für den Maschinenbau
Die weltweite Geschäftslage der Maschinen- und Anlagenbaufirmen aus Deutschland und Europa zeigt weiterhin…
-
TKD Kabel erweitert Produktfinder zum Kundenportal
Schneller zum Kabel, das passt
TKD Kabel hat seinen Online-Produktfinder zu einem kundenorientierten Portal ausgebaut, das den Zugang…
-
VDMA-Studie
Mehr als die Hälfte der Maschinen- und Anlagenbauer setzt auf OPC UA
Laut aktueller Interoperabilitätsstudie des VDMA sehen 84% der Unternehmen einen konkreten Bedarf an…
-
Energieverbrauch der Industrie um 1,9% gestiegen
Die deutsche Industrie hat im Jahr 2024 insgesamt 3.343 Petajoule Energie verbraucht.
-
Time Sensitive Networking
TSN-Layer-3-Switch für präzise Echtzeitkommunikation
Mit dem TSN-6325-8T4S4X präsentiert Spectra einen Managed Industrial Ethernet Switch, der für zeitkritische…
-
Für Motion-Control-Anwendungen
BiSS-Master-Chip mit SPI und RS-422-Transceiver
Mit iC-MBE stellt iC-Haus einen SPI-zu-BiSS-Master-Konverter vor, der die Integration der offenen BiSS-…
das könnte sie auch interessieren
-
Lapp stellt auf der SPS 2025 aus
Verbindungslösungen für industrielle Automatisierung von Morgen
-
Multivariable und energieeffiziente Steuerung
Multivariabel und energieeffizient
-
Sensoren, Ladekabel und Cybersicherheits-Zertifizierung
Zertifizierte, sichere Entwicklungsprozesse
-
OPC UA als Enabler für Data Spaces und KI
Semantische Standards

















